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Samstag, 7. Februar 2009

Zwangsarbeit! Zwangsarbeit?


Ist Zivildienst Zwangsarbeit und wenn ja, warum nicht? Versuchen wir, der Sache auf den Grund zu gehen. Artikel 4 der europäischen Menschenrechtskonvention verbietet Zwangsarbeit, nimmt aber Wehr- und Wehrersatzdienst gleich wieder explizit aus, ohne dies weiter zu begründen:
Artikel 4 – Verbot der Sklaverei und der Zwangsarbeit
1.Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden.
2.Niemand darf gezwungen werden, Zwangs- oder Pflichtarbeit zu verrichten.
3.Nicht als Zwangs- oder Pflichtarbeit im Sinne dieses Artikels gilt […] eine Dienstleistung militärischer Art oder eine Dienstleistung, die an die Stelle des im Rahmen der Wehrpflicht zu leistenden Dienstes tritt, in Ländern, wo die Dienst­verweigerung aus Gewissensgründen anerkannt ist […]

Die juristische Antwort ist also in etwa: Zivildienst ist klarerweise keine Zwangsarbeit, weil er als Ersatz für den Militärdienst von der Zwangsarbeitsdefinition ausgenommen ist. Diese Argumentation muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Zivildienst ist keine Zwangsarbeit, weil Zivildienst eben per definitionem keine Zwangsarbeit ist. Ende der Diskussion.

Warum kann man die Dinge eigentlich nicht benennen, wie sie sind? Halten wir fest: Ich werde letztlich unter Androhung von Gewalt und Freiheitsentzug gegen meinen Willen gezwungen, etwas zu machen, ohne jemals gefragt worden zu sein, ob ich es eigentlich machen will und werde dafür nicht entlohnt, sondern vielmehr mit einem symbolischen Betrag abgespeist, der jedenfalls (und zwar deutlich) unter dem Existenzminimum liegt.
Das nicht als Zwang zu bezeichnen, hieße in weiterer Konsequenz, dass ich das alles freiwillig auf mich nehme. Dies wäre freilich ein Zynismus, der ungute Assoziationen zuließe.

Positive Diskriminierung

Die Vizepräsidentin der Liga für Menschenrechte, Volksanwältin Terezija Stoisits, findet Diskriminierung „ok“, solange sie sich gegen Männer richtet:
„Man nennt das positive Diskriminierung. Frauen haben so viel andere Belastung [sic!] zu tragen, die Männer nicht haben“

Der Feminismus zeigt also sein wahres Gesicht. Dass dies kein besonders schönes sein kann, war ja bereits anzunehmen.

Frau Stoisits, falls Sie sich als Volksanwältin auch für mich zuständig fühlen, obwohl ich ein Mann bin: Worin genau bestehen die vielen andere Belastung, die eine heute 18-jährige junge Frau beispielsweise gegenüber einem gleichaltrigen Burschen zu tragen hat, einmal abgesehen von der Belastung, (möglicherweise) Kinder kriegen zu können?
Finden Sie es gerecht, sich an der jungen Generation für Ungerechtigkeiten rächen zu wollen, die Ihrer Generation in deren Jugend offensichtlich noch widerfahren sind?
Ist es ebenso gerecht, dass sich eine junge Frau heute einfach dem Zivildienst entziehen darf mit dem Argument, dass sie sich ja später aus freien Stücken entscheiden kann, Kinder zu bekommen? Wiegen 9 Monate Zivildienst 9 Monate Schwangerschaft auf? Wenn sich eine Frau entscheidet, 2 Kinder zu bekommen, müsste ich dann als Mann nicht 18 Monate Zivildienst leisten?
Heißt das alles außerdem, dass ich meinen lebenslangen Beitrag zur Gleichberechtigung mit diesen 9 Monaten positiver Diskriminierung bereits abgeleistet habe und beispielsweise nicht mehr in Karenz gehen muss, ja im Sinne der Gerechtigkeit eigentlich gar nicht mehr darf?

Wie borniert muss man eigentlich sein, das alles unter dem Deckmantel der Gleichberechtigung verkaufen zu wollen?