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Dienstag, 5. Mai 2009

Arbeitsplätze vernichten

Es ist geradezu pervers: Ich könnte hier, jetzt und heute, mitten in der Jahrhundert-Krise, genug Geld verdienen. Steuern bezahlen. Man lässt mich nicht. Statt dessen muss ich zwangsweise für ein Taschengeld eine Arbeit machen, mit der sonst mindestens ein freier Mitarbeiter beschäftigt wäre. Der seinerseits Geld verdienen würde. Steuern bezahlen würde.
Ich vernichte mit meiner ach so sozialen Tätigkeit als Zivildiener – nicht theoretisch, nicht rechnerisch, sondern ganz konkret – einen Arbeitsplatz.

Warum ist das eigentlich jedem wurscht?

Freitag, 1. Mai 2009

Frauen an den Herd?

Viele gute oder gutgemeinte Ratschläge begleiten mich durch meine Zeit als ZivildienerIn. Ein Klassiker darunter lautet in etwa: „Sei froh, dass du geheiratet hast, kriegst jetzt wenigstens mehr Beihilfe!“

In diesem Sinne habe ich begonnen, mich durch das doch eher umfangreiche Formularwerk für eine Wohnkostenbeihilfe zu arbeiten. Dabei wird – soweit durchaus noch nachvollziehbar – auch das Einkommen der Ehepartnerin berücksichtigt, vermutlich unter der berechtigten Annahme, dass Ehepartner ihre (Wohn-)kosten gemeinsam bestreiten. Interessant: Ein hohes Einkommen des Mannes erhöht die Beihilfe. Die Beihilfe soll wohl – und spätestens ab hier kann man nur noch mutmaßen – dazu dienen, einen einmal gewohnten Lebensstandard zu erhalten. Ein zu hohes Einkommen der Ehepartnerin führt jedoch wiederum zu einer Verringerung der Beihilfe.

Besonders schön finde ich dabei, dass dieses System im Versuch, möglichst gerecht zu sein und alles zu berücksichtigen, am Ende doch sehr traditionelle Rollenbilder belohnt (der Mann bringt möglichst viel Geld nach Hause, die Frau ist zu Hause und möglichst bedürftig). Dies dürfte nur aus dem Grund noch niemandem aufgefallen sein, weil sich einerseits das allgemeine Interesse für das Thema Zivildienst abseits der gerade direkt Betroffenen sehr in Grenzen hält, und weil andererseits gerade die großen Kämpferinnen für die Gleichstellung der Frau aus verständlichen Gründen um das Thema Zivildienst einen großen Bogen machen. In jedem anderen Bereich wäre ein lauter (und tonlagenbedingt schriller) Aufschrei die Folge. Ganz abgesehen davon, was daran besonders sozial sein soll, höhere Beihilfen auszuschütten, je mehr jemand (sofern er ein Mann ist) verdient.

Möglicherweise versöhnlicher für die emanzipierte Frau: Es wäre zumindest in diesem Fall entgegen der landläufigen Meinung finanziell günstiger, nicht verheiratet zu sein.

Die eingangs erwähnten guten Ratschläge waren also doch eher gut gemeint. Sie kranken insgesamt alle am Versuch, logisches Denken zugrundezulegen. Dem österreichischen Sozialsystem ist mit Logik (oder gar Gerechtigkeit) nicht beizukommen.

Am Salzamt

Gestern bin ich wieder einmal hinaufgegangen zum Salzamt – angeblich habe ich als Zivildiener Anspruch auf Wohnungsbeihilfe und Familienunterhalt. Bei einem früheren Besuch war ich diesbezüglich – ausgestattet mit allen wahrscheinlich und unwahrscheinlich nötigen Formularen, Dokumenten und Bestätigungen – schon nach kurzer Zeit abgeblitzt. Irgendetwas fehlt im Bedarfsfall immer, damals die nötige Unterschrift meiner Gattin*, mit der sie sich, falls mir eine Beihilfe gewährt würde, damit einverstanden erklärt, diese auf mein (eigentlich: unser gemeinsames) Konto überweisen zu lassen.

Im Amt selbst herrscht eine ganz eigenartige Stimmung. Die Unruhe am Gang, verursacht durch Horden von Migranten mit noch mehr Kindern, die ja, man weiß es aus der einschlägigen Fachpresse, alle nur unser Bestes wollen, nämlich unsere Sozialleistungen, weicht beim Betreten des Büros augenblicklich einer ganz eigenartigen Stille. Alle bewegen sich bedächtig, tippen langsam, sprechen gedämpft, alles hat eine ganz eigenartige Würde.

An meine Rolle als Bittsteller muss ich mich immer noch gewöhnen. Etwas unsicher beim Vorbringen meines Bittgesuchs spreche ich anstelle von "Beihilfe" immer von einer "Förderung". Ein kleiner Fauxpas, den die Beamtin diskret mit einem leicht indignierten Naserümpfen quittiert. Eine kleine Geste, die sie offensichtlich in jahrelanger Routine perfektioniert hat.
Mein nächster Fauxpas ist schwerwiegender: Auf dem Infoblatt "Finanzielle Ansprüche", das jeder Zivildiener bekommt, ist eine Fahrtkostenvergütung für öffentliche Verkehrsmittel angeführt. Ich frage also, wie das funktioniert. Der Gesichtsausdruck der Beamtin ist schon deutlich genervter, gerade dass sie mich nicht auslacht: Nein, also das weiß sie jetzt wirklich nicht!

Beim Hinausgehen verschafft mir ein Blick aufs Türschild quälende Gewissheit: Die Dame ist ausschließlich für Beihilfen Zivildienstleistender zuständig. Am Gang warten unverändert viele Migranten.


* Übrigens schön, dass in diesem geschützten Biotop das Wort Gattin überlebt hat, das zum Aussterben eigentlich viel zu schade ist. Immerhin ist kaum eine direktere und gleichzeitig leidenschaftlichere Bezeichnung denkbar als Gattin, das sich etymologisch direkt vom Begatten herleiten dürfte. Die zu Begattende also.
Wobei mich Irene P. auf den Zusammenhang zur Gattehosen hingewiesen hat, der auch nicht von der Hand zu weisen ist.